Mit der Entstehung einer Idee ist es, wie mit Kirschen pflücken. Ein kleiner winziger Kirschkern wird in etwas Weiches gesteckt. Wässert man den Kirschkern dann an der eingepflanzten Stelle kräftig, zeigen sich kurze Zeit später die Ersten kleine Triebe des Lebens, die rasch emporsteigen und sich mehr Raum verschaffen.

Es vergeht von diesem Punkt an einige Zeit. Irgendwann ist der Moment da, an dem man mit einem tollen Gefühl im ganzen Körper die erste Kirsche pflückt, den Geschmack für ausbaufähig befindet und sich denkt, die nächsten lasse ich noch eine Zeit länger an den Ästen hängen. Die Äste, die sie mit Kräften versorgen, die ihr die Umwelt gepflückt nicht geben kann. Wiederum einige Zeit später geht man zurück zu dem noch zierlichen Bäumchen und pflückt mit einem stolzen Gefühl die nächste Kirsche. Sie wird kurz zwischen Daumen und Zeigefinger am zarten Stängel in die Luft gehoben und begutachtet.

 

Der Moment, in dem die Idee Früchte trägt

Wunderschön! Tiefrot – fast schon schwarz. Zentimeter für Zentimeter bewegt sich dieses kleine Wunder der Natur in Richtung der von Speichel gefluteten Mundöffnung. Die Kirsche fügt sich ohne einen Zweifel zuzulassen in das weiche Zungenbett ein und wird behutsam wie auf einem fliegenden Teppich zum Geschmackszentrum geführt. Ein vorsichtiger Biss, Zähne berühren sachte den winzigen Kern, der Fruchtsaft der Kirsche läuft in den Mundraum und verbindet sich fließend in eine Art Geschmackssymphonie. Sie wandert um die mikroskopisch kleinen Knospen herum und verwöhnt sie mit den Kompositionen von leichter Säure und einer angenehmen Süße. Eine euphorische Reaktion ist die Folge. Alles vorher Geschmeckte und erlebte verblasst vollkommen und hinterlässt eine kleine Notiz für das Langzeitgedächtnis – perfekt.

Das war grad meine Kirsche, die mich sprachlos gemacht hat. Dieser kleine Kern, der durch etwas Erde, Wasser und vor allem Zeit zu dem geworden ist, was ich vor wenigen Sekunden erlebt habe. Verbildlicht – eine Idee, die langsam gewachsen und gereift ist.

 

Die Entstehung einer Idee im Klartext

Man kann es auch von der Kirschsprache ins leicht verständliche übersetzen. Du hast eine Idee – gib ihr etwas Zeit, denke über sie nach, versuche sie zu realisieren und vor deinem inneren Auge zu visualisieren. Bevor du deine Idee das erste Mal laut aussprichst, solltest du dir über die Folgen im Klaren sein, was passieren kann, wenn du die Idee zu früh in die an die Öffentlichkeit transportierst. Sie ist vielleicht noch nicht pflückreif. Gib ihr mehr Zeit und investiere all deine Geduld und Fürsorge. Dann kommt der Moment. Der Moment, an dem du weißt, dass es Zeit ist, sie von allen Seiten bis ins kleinste Detail zu betrachten und sie raus in die Welt begleitest.

Die Welt der neuen Ideen kann hart und zerstörend sein, aber lass dir nichts schlecht reden – denn nur du weißt, dass genügend Zeit und Investitionen nötigen waren, um sie soweit zu bringen. Egal ob in deinen Händen oder als Worte auf deiner Zunge. Dein Gedankengut ist kostbarer als du dir vorstellen kannst und deine Idee – nur wenn du voll und ganz hinter ihr stehst, wird dich und andere vollkommen überzeugen. Die kleine Idee, die wie ein Kirschkern zu einem Baum gewachsen ist und Früchte trägt. Früchte, die nach mehr duften und nach Erfolg schmecken.

Das war meine Interpretation von dem Weg einer Idee zu etwas Großem. Schaut euch dazu gerne mein Gedicht mit dem Titel Die eine Idee an. Vielleicht denkt ihr euch jetzt – Der hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Lasst es mich wissen und kommentiert eure Erfahrungen bei der Umsetzung einer Idee in die Tat.

 

Bester Gruß,

Wolfgang vom Team MännerTagebuch

 

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