Die Checkliste vor der Fernbeziehung

Kurz und knapp gesagt, ich finde Fernbeziehungen scheiße. Es gibt genug Menschen, für die das Modell einer Fernbeziehung perfekt ist und zu den persönlichen Bedürfnissen passt. Man kann unter der Woche sein eigenes Ding machen. Sogar am Wochenende. Und vor allem die Sonntage alleine genießen. Will man das? Ich nicht! Ich war lange Zeit in einer Fernbeziehung und anschließend 3 Jahre Single. Ich kenne ganz genau die Vor- und Nachteile. Aber das Gefühl zu haben, dass da jemand ist, den man auch unter der Woche sehen kann, vielleicht auch am Wochenende und definitiv an Sonntagen, ist ein schönes Gefühl. Sicherheit ist das richtige Wort, was ich so an der Konstellation mag. Es beginnt mit gemeinsamen Erinnerungen und hört mit körperlicher Nähe auf. In einer Fernbeziehung wird man genau vor diesen Dingen auf Entzug gestellt. Nichts anderes ist es. Das Warten darauf, dass man die nächste Dosis bekommt, um sich in einer heilen Welt wiederzufinden. Bis man dann wieder auf Entzug gesetzt wird. Entweder man schafft den Absprung, man lässt sich immer wieder in den Strudel aus Emotionen ziehen oder man kommt gemeinsam an. Ans Ziel. An das, an das die meisten Personen, die in einer Fernbeziehung leben ankommen wollen. Das WIR!

Nachdem ich meine Emotionen in Form von 208 Wörtern  gelegt habe, nenne ich einige Punkte, die ich abgearbeitet habe. Ich sage ganz bewusst abgearbeitet, denn es ist harte Arbeit! Ein paar Dinge stehen noch aus. Für mich waren diese Dinge essentiell, um mich gedanklich auf diesen riesigen Schritt einlassen zu können. Den Schritt für die Fernbeziehung.

Führen wir eine Beziehung?

Wenn man einen Menschen trifft, von dem man vorher weiss, dass er nicht aus Deutschland kommt und das innerhalb der nächsten Monate wieder 8000 Kilometer Entfernung zwischen euch liegen werden, dann ist diese Frage für mich eine der Wichtigsten überhaupt. Was bist du? Was bin ich? Vielleicht ein WIR? Eine Frage, an der oft vieles zerbricht. Will man sich mit den Ängsten oder auch Problemen auseinandersetzen, die in Folge eines “Ja” entstehen können und wahrscheinlich werden? Für mich stand diese Frage nie zur Debatte. Denn nach den ersten beiden Dates wurden mir komplett die Beine weggerissen, sodass ich nur noch eins wollte. Bedingungslos. Träume, Wünsche, Erinnerungen, Vorfreude, Ängste, Probleme und Lösungen.

Der Weg zum Gespräch

Der Tag X kommt schneller als man denkt. Deshalb sollte man unbedingt vorher ein klärendes Gespräch suchen, ob und wie es weitergeht. Auch wenn man wahrscheinlich sehr intensive und einzigartige Momente miteinander erlebt hat und man sich fast schon sicher fühlt, kann das Ganze einseitig sein. Die Person, die “zurückgelassen” wird, geht oft anders mit der Thematik Zukunft um, als die Person, die “verlässt”. Diese Person hat schon viel früher begonne zu planen. Sie hat zu Hause mit Freunden und Bekannten geredet. Oft sogar schon Pläne für die Zeit danach gemacht. Ob es für eine Hochzeit eines Freundes ist oder ein anderer weit im Voraus liegender Termin. In den meisten Fällen gibt es einen Tag X.

Aber was ist nach diesem Tag? Woran kann man sich orientieren? An Erinnerungen und erlebten?

Meiner Ansicht nach nicht. Man kann im Vorfeld über so viele Dinge wie möglich sprechen und planen. Aber die endgültige Entscheidung wird erst zurück in der Heimat getroffen. Das alt gewohnte Umfeld ist wieder da. Familie und Freunde sind um einen herum. Das, was einen Jahrzehnte lang begleitet hat, ist wieder greifbar. Die Vergangenheit. Die Vergangenheit, auf die man sich seit dem ersten Erblicken der Welt verlassen konnte. Wofür soll ich das aufgeben? Für ein paar Monate des Glücks? Einer Ungewissheit! Eigentlich für einen Sprung in die Tiefe. Solche Gedanken können sich in dem Kopf des “Verlassenen” abspielen und zu Entscheidungen führen, die man nicht vorhersehen kann. Alles andere ist Augenwischerei und einfach eine Lüge. Viel mehr noch ein Wunsch. Aber wir wissen ja, wie es so mit den Wünschen ist. Manchmal gehen sie in Erfüllung und manchmal nicht.

Das Gespräch

Jetzt da man schon einen riesigen ungewissen Schritt in die richtige Richtung gegangen ist, muss man einfach seine Gedanken fokussieren. Tagträume sind toll, aber nicht unbedingt der zielführendste  Weg. Jedenfalls ab und zu muss man der verdammten Wahrheit in das fiese Gesicht schauen. Nicht nur schauen sondern auch die Lippen bewegen. Denn das Gesicht der fiesen Wahrheit hat je nach Make Up rote Lippen, braune Augen, braune lange Haare, einen amerikanischen Wortschatz und ist 1,77 m groß. Jap genau. Meine Freundin. Ich habe oft versucht das Gespräch über unseren gemeinsamen Weg zu suchen. Da wir zum Glück noch ein paar Monate vor uns hatten, wurde das Gespräch von der fiesen Wahrheit immer weiter nach hinten geschoben. Bis sich meine Lippen bewegten und ich einfach einen Termin eingefordert habe. Wir haben uns nicht nur auf einen Tag, sondern auch auf eine Uhrzeit und eine ungefähre Gesprächsdauer geeinigt. 2 Stunden haben wir dafür eingeplant. 1 Stunde und 30 Minuten hat das Gespräch im Endeffekt gedauert. Auch wenn die Pro- und Contra-Liste ein alter Schuh ist, aber die Liste war ein guter Helfer. Denn es gab so gut wie nichts auf der Contra-Seite. Wir sind alle unsere Optionen durchgegangen. Beginnend mit all ihren Optionen und abschließend meinen. Ich muss aber dazu sagen, dass wenn ich von Ihren und Meinen spreche, dann hat es in jeder Sekunde des Gesprächs Unsere bedeutet.

Eine Sache hat sich durch das Gespräch wie ein roter Faden gezogen. Eine Tatsache. Die Tatsache darüber, dass egal wer sich wie entscheidet, unser Weg und der Schlachtplan einen gemeinsamen Namen hat. WIR. Egal ob es 2 Monate oder 1 Jahr dauern würde dieses Ziel zu erreichen.

Das Zauberwort

Ich habe immer gedacht, dass es alleine Märchen vorbehalten ist, den Namen “Zauberwort” zu nutzen und zu versymbolisieren. Es darf und muss aber unbedingt außerhalb eines Märchens genutzt werden um eine Sachlage zu klären. Zuerst hier das Zauberwort. “Zurückstecken”. Es hört sich viel zu simpel und unbedeutend an um Probleme lösen zu können und um Wege zu schaffen. Wege zum glücklich sein.

Mit einem einfachen Beispiel verdeutliche ich meine Gedanken

2 Menschen wollen zugleich eine viel zu kleine Eingangstür passieren. In den meisten Fällen klappt es nur, wenn man sich im Vornherein abspricht. Was passiert sonst? Man kommt nicht ohne Probleme durch. Nur mit viel Gewalt und blauen Flecken. Wäre es nicht besser, wenn man sich darauf einigen würde, dass Jemand den Vortritt hat? Dann könnte einer zuerst ohne blaue Flecken durch die Tür gehen und im nur geringen zeitlichen Abstand könnte die andere Person folgen. Auch in diesem Fall ohne blaue Flecken. In der Realität könnte das bedeuten, dass man die Interessen des anderen erstmal in den Vordergrund stellt und selbst zurücksteckt, um irgendwann gemeinsam einen Punkt zu erreichen. Das war jedenfalls für uns ein Weg, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Warum ich der Entgegenkommende sein sollte

Ich habe einen guten Job, eine schöne Wohnung, tolle Freunde und natürlich meine Familie. Alles in meiner Nähe. Maximal 2 Stunden Autofahrt trennt mich von dem Wichtigsten. Bei meiner Freundin sieht das ganze etwas anders aus. Alles was sie die letzten 23 Jahre ausgemacht hat ist in Amerika. Das ist hart. Warum also soll ich in meiner glücklichen Position nicht einfach zurückstecken, um es für sie einfacher zu machen. Damit sie merkt, dass sie nicht die Einzige ist, die Hürden nehmen muss. Gedanklich habe ich ihr eine Hand gereicht, mit der wir es geschafft haben, zuerst über die Mauer für eine gemeinsame Zukunft zu klettern. Die Mauer kann oft höher sein als man denkt. Manchmal sogar so hoch, dass man Angst hat, die Kraft könnte nicht bis zu dem Scheitelpunkt ausreichen. Zum Glück hatten wir beide genügend Luft und Ausdauer dafür.

Jetzt nach dem Gespräch und all den Überlegungen, den Listen, den Tränen, fürsprechenden- und motivierenden Worten, haben wir einen Weg gefunden mit abstrichen irgendwann gemeinsam durch eine viel zu kleine Tür zu gehen.

 

Mit bestem Gruß

Wolfgang

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